Dodge Dart Phoenix

Mein Traumauto

Hersteller: Dodge

Modell: Dart

Serie: Phoenix

Baujahr: 1960

Motor: V8 Red Ram 318

Leistung: 230 PS

Zustand: Irgendwo zwischen 2- und 3

Nach zwei Kadetts B Coupe von 1967 und 1968, einem /8 200D Bauernstolz von 1970 waren ein paar Jahre Ruhe in Sachen Oldtimer. Die Leidenschaft beschränkte sich auf Favoriteneinträge einiger bekannten Händler, Importeure und Besitzer. 

Und dann sah ich ihn im Internet, himmelblau mit weißem Dach, Weißwandreifen und jede Menge Chrom.

Einfach nur schön….

Jede freie Minute wurde genutzt um die über 100 eingestellten Bilder des Importeurs genauestens zu betrachten. Gleichzeitig konnte man sich ja mal ganz unverbindlich über Ersatzteilversorgung, Erfahrungsberichte und Probleme erkundigen. Internet macht’s möglich. Und täglich die Frage, ist er noch da?

Ein Arbeitseinsatz am Samstag in der Sparkasse sollte eine nicht unerhebliche Rolle in der weiteren Geschichte bilden. War doch der Einsatz überraschend schnell beendet, Borussia spielte auswärts, also was tun mit der überschüssigen Zeit? Man könnte sich doch mal einen persönlichen Eindruck verschaffen, sind doch nur knapp 80 km. Gesagt getan. Also ab ins Auto und los in Richtung holländischer Grenze. Nachdem die Bebauung entlang der A3 so allmählich abnahm, kam ich meinem Ziel Stückchen für Stückchen näher. Runter von der Bahn, einmal rechts, einmal links, durch den Kreisverkehr, noch mal rechts und Ziel erreicht. Ein altägyptisches Portal bildete den Eingang zu einer Halle. Der Geruch von Lackpflegemittel, Benzin und Öl empfing mich, nachdem ich die ersten paar Schritte im Eingangsbereich hinter mich gebracht hatte. Und dann sah ich die ersten Fahrzeuge  aufgereiht und perfekt in Szene gesetzt. Corvettes, Chevrolets, Pontiacs und andere wunderbare Schmuckstücke einer längst vergangenen Epoche.  Mein  Herz schlug höher beim Anblick dieser Giganten der Straße.

Liebe auf den ersten Blick

Und dann sah ich ihn im Original.

Auch der Geruch entscheidet

Mein erster Gedanke, wow, der ist ja noch schöner als auf den Bildern. Dann begann ich den Wagen zu umkreisen wie ein Geier der immer engere Spiralen am Himmel zieht um sich dann auf sein Fressen zu stürzen. Unmerklich strich meine ausgestreckte Hand über den Kotflügel und verfolgte im vorbeischleichen die Kontur des Fahrzeuges. Mit verklärten Augen begutachtete ich den Innenraum durch ein geöffnetes Fenster. Der Dodge roch nicht nach Kunststoff und Kunstleder, sondern nach Auto.

Mein Verhalten, was wahrscheinlich einem Kind sehr ähnlich war, welches sich die Nase an einem Schaufenster eines Schokoladenherstellers plattdrückt, erregte natürlich die Aufmerksamkeit eines geschulten Verkäufers, der lapidar mit holländischem Akzent bemerkte: „ Tolles Fahrzeug, ne?“ Meinem Nicken folgte wie durch Geisterhand eine Geschichte des Wagens und schwupp war die Motorhaube geöffnet und gab den Blick frei auf einen orangefarbigen V8, der sich als 318 Red Ram mit 5,2 l Hubraum und 230 PS zu erkennen gab.

Nach etwas Fachsimpelei, ich hatte in den letzten Tagen alles was man im Internet zu diesem Wagen finden konnte ja aufgesogen, startete Frank, mittlerweile waren wir beim du, den Dodge.

Kein Summen der elektronischen Einspritzanlage, stattdessen zweimaliges durchdrücken des Gaspedals, Schlüssel drehen und nach nur drei Versuchen schüttelte sich der V8 und blubberte los. Famos. Noch mal probesitzen, einen Blick in den Kofferraum und es wurde Zeit für eine Tasse Kaffee und eine Zigarette in Franks Büro. Falls, und nur mal so angedacht,  falls ich den Dodge tatsächlich mein eigen nennen wollte, wie würde man mir denn entgegenkommen? Besteht die Möglichkeit nochmals mit einem Fachmann vorbeizuschauen und den Dodge in Augenschein zu nehmen? Was ist denn mit TÜV? Haben wir schon über das H-Gutachten gesprochen? Geläutert, aber zufrieden verließ ich das Büro nicht ohne nochmals einen Blick auf den Dodge geworfen zu haben.

Die kommende Woche war die Hölle. Stundenweise wechselten sich die Gefühle zwischen Euphorie und Zweifel ab. Täglich wurde ins Internet geschaut ob vielleicht ein anderer Liebhaber schon zugeschlagen hat und mir so die Entscheidung abgenommen hätte. Aber er stand noch zum Verkauf und lächelte mich an. Ein befreundeter KFZ-Meister, welcher sich auf die Reparatur von Corvettes spezialisiert hat, erklärte sich ohne zögern bereit mit mir nochmals den Dodge zu begutachten. Vor Ort angekommen ließen wir die anderen Fahrzeuge sprichwörtlich links liegen und widmeten uns ganz dem Dodge. Innen wie außen wurde der Wagen fachkundig inspiziert, unserem Wunsch den Wagen auf eine Bühne zu fahren wurde sofort nachgekommen und auch von unten zeigte sich der Ami für sein Alter von 54 Jahren gut in Schuss. Kein Unterbodenschutz, nur leichter Flugrost auf den Stahlträgern, alle Abläufe frei und der Rest wie Ölwanne, Ausgleichgetriebe und Kardanwelle weitestgehend trocken. Wir hatten genug gesehen. Ein wohlwollendes Nicken meines Freundes erstickten die letzten Zweifel

Mit Frank wurden die Rahmenbedingungen für den Kauf abgeklärt. Übernahme der Kosten für TüV, H-Gutachten, 50 % der Kosten für eine komplette Inspektion und die Reparatur von zwei Dichtungen. Wenn alles erledigt ist, ich die Anzahlung getätigt habe, bekomme ich einen Anruf und kann den Dodge abholen.

Abholung

Nach ca. vier Wochen wurde mir mitgeteilt, dass der Dodge jetzt fertig sei. Ich bat um Übersendung der Papiere um den Wagen zuzulassen. Bezüglich einer Oldtimerversicherung hatte ich alles schon geklärt und mir lag die EvB-Nummer vor. Per Einschreiben kamen die Papiere zu mir und wurden erst einmal gesichtet.

Neben Originalrechnungen aus den USA, dem ursprünglichen US-Kraftfahrzeugbrief waren TüV-Bericht (ohne ersichtliche Mängel), das Gutachten zur H-Zulassung (mit sehr vielen Sondergenehmigungen) und Reparaturnachweis vorhanden. Also auf zum Straßenverkehrsamt und flux den Dodge anmelden. So der Plan.

Beim Straßenverkehrsamt angekommen sagte die nette Angestellte erst einmal ihre Frühstückspause ab mit dem Hinweis, sie hätte was kompliziertes Langwieriges erhalten. Und in der Tat zog sich der ganze Vorgang etwas in die Länge, musste die Dame doch alle Sondergenehmigungen in den KFZ-Schein übernehmen, sogar eine zweite Seite hinzufügen. Zwischendurch wurde noch schnell geklärt welche Größe bei den Nummernschildern vorliegt und wir kamen zu dem spannenden Punkt der Auswahl des Kennzeichens. Also ein Buchstabe mit einer Zahl geht nicht, zwei Buchstaben mit einer Zahl nichts frei, zwei Buchstaben mit zwei Zahlen gehen nicht, mindestens sieben Zeichen, wobei mit VIE- und dem H schon vier Zeichen belegt sind. Nach einiger Zeit und etlichen vergeblichen Versuchen annähernd an ein Wunschkennzeichen zu gelangen, einigten wir uns auf VIE-Y 41 H. Mit allen Unterlagen, einem neuen KFZ-Brief und Schein, sowie zwei kleinen schnuckeligen Nummernschildern verließ ich das Straßenverkehrsamt und die nette Dame konnte endlich zum Frühstück oder mittlerweile Brunch gehen

Ein Termin zum Abholen des Dodge ergab sich durch die Arbeitszeitregelung am Freitag. Pünktlich um 14.00 Uhr wurden die heiligen Hallen verlassen und wir machten uns auf den Weg Richtung Norden. Wieder A3, Felder, nochmals Felder, immer noch Felder….und endlich kamen wir an. Frank befand sich leider in einem Verkaufsgespräch und brachte gerade einen GTO an den Mann. Also half uns ein weiterer netter Mensch weiter. Ihm drückten wir die Nummernschilder in die Hand und während fleißige Hände diese an den Dodge anbrachten, schauten wir uns ganz in Ruhe die anderen Fahrzeuge an und saßen hier und da noch Probe. Ein abschließender Kaffee im Büro und noch einige nützliche Tipps weiter, war es dann soweit. Der Dodge stand abfahrbereit in der Halle und wartete auf seinen neuen Besitzer. Auf mich!

Platz nehmen, Schlüssel drehen und zum ersten Mal blubberte der V8 für mich. Bremse treten, Push-Button Automatik auf D und mein Dodge schwebte aus der Halle. Wider erwarten ließ sich der Dodge vorzüglich lenken, trotz seiner stattlichen Größe. Beim ersten Bremsen merkte man die 1,4 t die bedächtig aber stetig schoben. Also Fahrweise umstellen und dem Fahrzeug anpassen. Der erste Weg führte zur naheliegenden Tankstelle. Wo war nochmal der Tank? Achja, hinten. Klappe in der Stoßstange öffnen, am Tankdeckel rumnesteln und aufschließen. Rüssel rein und gib ihm. Schließlich unkte ja jeder über den satten Durst der Amis. Naja, mal sehen. Und dann ging es Richtung Heimat. Für Autobahn war ich viel zu ängstlich, also langsam durch die Stadt und über die Bundesstraße und Landstraßen fahren. Schließlich sollte der Dodge ja zum Cruisen sein. Mit jedem gefahren Kilometer, ach nein, Meile, verzog sich der Mund zu einem noch breiterem Grinsen. Was für ein Gefühl so dahinzugleiten. Ungeduldige Zeitgenossen überholten mich und die Blicke die der Dodge erntete machten mich stolz. Amerikanische Wagen gibt es einige die am Niederrhein rumcruisen, aber diesen gibt es nur ein einziges Mal. Anscheinend war auch der Landrat des Kreises Kleve so begeistert von dem Wagen, dass er erstmal ein Foto machen musste. Die Post kam dann ein paar Tage später mit der Aufforderung für zu schnelles fahren 10,– € zu blechen. Toll. Noch keine 20 Minuten im Besitz des Dodge und schon das erste Knöllchen. Ich muss noch mehr darauf achten, dass die Tachoanzeige in Meilen und nicht in Kilometer ist.

Für die letzten Meilen entschied ich mich dann doch für ein Stückchen Autobahn, nur um festzustellen das Spurrillen und 5,29 m amerikanisches Blech mit Blattfedern nicht zusammen passen. Aber wenn es drauf ankommt mal einen LKW zu überholen, dann sprechen die 230 PS für sich und beschleunigen den Wagen erstklassig. Die Überführungsfahrt neigte sich dem Ende zu und der Dodge konnte zum ersten Mal in seinem neuen zu Hause übernachten.

Weitere Ausfahrten mussten leider entfallen, da der Versicherungsschutz erst wirksam werden würde nach Vorlage eines Wertgutachtens. Also Gutachter bestellen und abwarten.  Ein paar Tage später stellte sich der Gutachter vor. Selber ein Freund von alten Opel-Modellen warf er den ersten Blick auf den Dodge und war schier begeistert. So ein Fahrzeug hätte er in seiner Zeit als Gutachter noch nie gesehen. Er hielt einiges mit seiner Kamera fest, fragte nach Originalunterlagen und unterzog den Dodge einer gewissenhaften Prüfung nachdem der Wagen auf der Straße stand. Nach der Verabschiedung des Gutachters und auf Grund der Tatsache, dass der Dodge sowieso auf der Straße stand, bot sich doch die Gelegenheit für eine kleine Tour. Im Anschluss an der kleinen Ausfahrt konnte ich ja auch mal eben nachtanken. Deckel auf, Rüssel rein und nach 18 l stoppte der Benzinfluss. Mhhh, 18 l bei gefahrenen 92 Meilen, entsprach 12 l auf 100 km. Damit hatte ich nicht gerechnet. Und selbst wenn der Verbrauch durch mehr Stadtverkehr und vielleicht beschleunigtem Fahren noch etwas ansteigt, 5,2 l mit 230 PS fahren sich halt nicht mit sechs Litern. Aber ist ja auch kein Alltagsauto, sondern eher ein Eisdielenauto.

Das Gutachten ließ nicht lange auf sich warten und übertraf meine Erwartungen bei Weitem. Nicht nur das der Zustand des Dodge mit 2- bewertet wurde (auf einer Scala von 1-5), war auch der Wert des Wagens vom Erwerb zum Besitz gestiegen. Perfekt!

Natürlich geht es in erster Linie darum den Wert des Fahrzeuges zu erhalten, wenn nicht sogar zu steigern. Während der Sommermonate bietet es sich an die Dichtungen im Kofferraum (Projekt 1) und an den Fenstern und im Innenraum (Projekt 2) zu erneuern, die Tankanzeige möglicherweise wieder zum Leben zu erwecken und Lack und Chrom aufzupolieren. Für den Herbst und Winter ist angedacht den Unterboden abzustrahlen, lackieren und zu versiegeln, sowie eine Hohlraumversiegelung durchzuführen. Mal sehen was ich davon selber machen kann, da mein Freund mir seine Halle mit Grube und Bühne zur Verfügung stellen kann. Irgendwie freue ich mich schon darauf, obwohl ich hier auch Neuland betrete. Projekte 1+2 siehe weiter unten.

Die anfängliche Überraschung mit 12 Litern auf 100 hat sich übrigens erledigt. Der nächste Tankstellenbesuch und das eifrige Rechnen ergab 17 Liter. Sei’s drum. Ist ja kein Alltagsauto sondern eine Wertanlage mit Spaßfaktor.

Bislang habe ich noch niemanden aus der Familie von meinem Dodge erzählt. Einerseits möchte ich, und so ist es geplant, am Vatertag meinen alten Herrn damit überraschen und Ihn und meine Kinder mit dem Dodge abholen, eine schöne Rundfahrt unternehmen um anschließend irgendwo einzukehren. Anderseits glaube ich nicht unbedingt auf Verständnis zu treffen bei dem Rest, warum man sich so einen Wagen zulegt gerade in meiner Situation.

Ich freue mich jedenfalls auf jede Ausfahrt, kleinere Tour und habe Spaß in beiden Backen wenn ich nur im Dodge sitze. Und der Gedanke meine Tochter möglicherweise in diesem Auto mal zur Kirche zu fahren ……… aber bis dahin läuft noch viel Wasser den Rhein runter. Übrigens Kirche, obwohl ich den Wagen noch nirgendswo vorgestellt habe, fragen mich schon Arbeitskollegen die bislang den Wagen nur vom hören und sagen kennen, ob sie zu Hochzeiten mich ansprechen dürften. Bei dem einen die Cousine, bei dem anderen ein Jubiläum…..läuft.

Aber jetzt erstmal noch bis Christi Himmelfahrt warten, mich nicht verplappern und auf gutes Wetter hoffen.

Zwischenzeitlich hat der Dodge auch an einem Treffen von amerikanischen Klassikern teilgenommen, am 1. Mai in Willich. Mein Eindruck, dass es sich bei dem Wagen nicht um irgendein Auto handelt wurde bestätigt. Als „Neuer“ in einer illustren Runde von schwerem Blech, reihte sich eine ganz schöne Schaar Menschen um den Dodge. Schaute, fotografierte und bestaunte mein Auto, welches sich aber auch schön rausgeputzt hatte.

Fotoshooting 1

Am 17.05. lud ein Fotograf, welcher zwei Modells mitbrachte, zu einem Fotoshooting in einer Werkstatt in Rheinhausen ein. Da ich sowieso im Jugendheim war an diesem Tag, bot es sich doch an, einfach mal vorbeizuschauen. Kaum angekommen wurde auch schon gefragt, wem der blaue Wagen gehört. Mir, antwortete ich und wäre fast an meinem Stolz erstickt. Zig andere Fahrzeuge standen vor der Halle und ich durfte als zweiter hinter einem Thunderbird hereinfahren. Schnell wurden noch die E-Mail Adressen ausgetauscht und nun hoffe ich auf schöne Fotos mit meinem Auto. Die restliche Zeit konnte man sich recht nett mit anderen unterhalten und mit einem „man sieht sich“ machte ich mich wieder auf den Heimweg.

Fotoshooting 2

Vielen lieben Dank für die Fotos

Und dann war er da, der Vatertag, auf den ich mich die letzten Wochen so gefreut hatte. Wollte ich doch den Dodge der restlichen Familie endlich vorstellen. Erst zu meinen Eltern. 10.00 Uhr hatten wir ausgemacht und Vater stand schon am Küchenfenster. „Schau mal Helga, ein schlüpferblaues Auto“ Ja und dann bin ich ausgestiegen und erst jetzt realisierte mein Vater, dass der Wagen zu mir gehörte. Überraschung gelungen! Wir fuhren dann schön gemütlich nach Friemersheim zur Eisdiele, wo wir uns mit Tim und Kathleen treffen wollten. Zu meiner Freude hatte sich mein Onkel Gerd auch dort eingefunden und mein Vater zeigte voller Stolz den Wagen, mit dem wir gekommen waren. Als erstes kam Kathleen, später auch noch Tim. Wir aßen Eis, tranken Kaffee unterhielten uns noch ein Weilchen und nachdem ich bezahlt hatte, niemand hatte auch nur eine Andeutung gemacht, verließen wir die Eisdiele und steuerten auf den Dodge zu. Zweite Überraschung gelungen! Die Kinder waren hin und weg, besonders Tim, der ja zu solchen Autos von jeher eine Affinität hatte. Nach vielem „Ne das glaub ich nicht“ und „Boah ist der schön“ machten wir uns zu fünft nach Krefeld auf, wo am Vatertag ein Treffen von amerikanischen Wagen stattfand, organisiert von einem in Krefeld ansässigem Club, den Primers. Leider nieselte es ein wenig und trübte so die doch insgesamt gute Stimmung. Nach und nach schauten wir uns die anderen anwesenden Fahrzeuge an. Nach zwei Stunden und immer weiter einsetzendem Regen verließen wir die Veranstaltung und fuhren noch ein wenig zu meinen Eltern, wo wir den Tag ausklingen ließen. Die Kinder noch nach Hause gebracht und zurück nach Kempen, wo ich als erstes den Wagen trocknete und anschließend Kerstin von dem für mich sehr schönen Tag berichtete.  Ich hatte den Eindruck, dass trotz des einen oder anderen Unverständnisses alle meine Freude an und mit diesem Wagen teilten.

Die nächste Veranstaltung war in Rheinhausen auf dem Logportgelände. Kerstin und ich hatten uns mit Tim und Kim verabredet und fuhren gemeinsam dorthin. Trotz der ungünstigen Lokation, alles zog sich sehr auseinander, war es doch ein schöner Tag mit meinem Sohn und seiner Freundin, die genauso viel Spaß hatten wie wir. Tim hatte sich sogar noch Pomade gekauft……..ich bin ja mal gespannt, ob er sie auch nutzt.

Erste Reparatur

Störend und nervig ist die Tatsache, dass die Tankanzeige nicht funktioniert. Alle meine Bemühungen den Fehler zu finden verliefen fruchtlos. Mit Ohmmeter bewaffnet, die Kabel verfolgend fand ich nicht die Lösung. Zudem tropfte aus dem hinteren Differential immer mal ein Tropfen Öl. Den lustigen Spruch „ der Wagen markiert doch nur sein Revier, das muss so“ kann  ich nicht nachvollziehen. Jeder weiß doch, dass gerade Öl die Umwelt enorm belastet. Also entschloss ich mich den Wagen nach Rheinhausen in die Werkstatt von Norbert Frost zu geben, da wo das Fotoshooting stattgefunden hatte. Er als Fachmann fand den Fehler in der Tankanzeige. Eine Wicklung aus Bimetall war durchgebrannt und muss ersetzt werden. Als komplettes Ersatzteil ist das Teil nicht zu bekommen, aber er kümmerte sich und fand auch tatsächlich noch jemanden, der dieses Teil neu wickeln kann. Hurra. Gleichzeitig ersetzte er noch die Dichtung hinten und stellte den Vergaser vernünftig ein. Jetzt dauert es noch ca. drei Wochen bis das ausgebaute Teil wieder eingebaut werden kann, und die ersten kleineren Probleme sind behoben.

Im August dann ein weiteres Highlight. Wir nahmen an der US-Car + Bike Show in Grefrath teil. Neben hunderten von Ami’s und Harley’s die dort aus jeder Ecke Deutschlands kamen, gab es auch einen Wettbewerb, an dem jeder teilnehmen konnte. Prämiert wurden die Fahrzeuge nach den unterschiedlichsten Kategorien. So gab es die Klassen 50’s, 60’s, 70’s usw. Mopar, Hotrod, Van und viele andere mehr. Ja und da habe ich mit meinem Dodge teilgenommen. Und tatsächlich wurde der Dodge in der Kategorie 60’s von einer fachkundigen Jury auf den zweiten Platz gewählt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie stolz ich bin. Mein Dodge, als zweiter in einer Kategorie, welche es wirklich in sich hatte. WOW.   Und hier ist er.  Dodge sei Dank ! Second best of 60’s cars

Siegerehrung

Die Siegerehrung richtig stilecht mit rotem Teppich und Hostess vor vielen Zuschauern. War eine klasse Show

Projekt 1

Austausch der Kofferraumdichtung

Hatte ich im Vorfeld von Projekten gesprochen, hier meine Erfahrung mit dem ersten Projekt, der Erneuerung der Kofferraumdichtung. Erster Schritt die olle vergammelte alte Dichtung rausnehmen und feststellen, dass der Kleber sich nicht mit der Dichtung löst. Natürlich an den Stellen, wo man besonders gut heran kommt. Ein bisschen Rost befand sich auch unter der alten Dichtung, hauptsächlich im vorderen Bereich, wo sich das Wasser nach dem Ablaufen sammelte. Also Rostbekämpfung. Schleifen bis auf das blanke Metall und versiegeln. Danach die alten Klebereste mit einem Holzkeil Stückchen für Stückchen aus dem Falz entfernen.


Vorbereitung

Im Anschluss alles schön abkleben und grundieren. Nachdem sich die Grundierung relativ schnell vom flüssigen in festen Zustand gewandelt hatte, konnte lackiert werden. Ach die Farbe…..das war auch so eine Geschichte. Die Farbnummer auf der Plakette im Motorraum ergab nach fleißigem Recherchieren

g r ü n !!!

Ich hatte also ein grünes Auto, oder einen Sehfehler. Nunja, vielleicht war der Dodge ja mal ursprünglich grün und wurde überlackiert, so meine Erklärung. Aber es gab ja den Fachhandel, der mit modernster Computertechnik den Lack und seine Bestandteile partikelgenau analysieren konnte. Auf nach Willich und bei der Fa Pannenbecker den ultimativen Check durchführen lassen. Das Messgerät an verschiedenen Stellen aufgesetzt und anschließend ausgelesen. Das Ergebnis war ein fünfstelliger Code, der dann mit einer Farbskala verglichen wurde. Das Ergebnis–grün. Fassungslos wurde der Test wiederholt, allerdings mit dem identischen Ergebnis. Der wirklich sehr freundliche aber konsternierte Mitarbeiter mischte mir dann anhand einer neutralen Farbkarte mein blau, welches optimal zu der Wagenfarbe angemischt wurde. Ach ja, das Lackieren mit meiner mir angemischten Farbe funktionierte einwandfrei.


Einkleben der neuen Dichtung

Zu gutem Schluss wurde die neue Dichtung eingeklebt. Da ich die Dichtung für den Dodge direkt in den USA bestellt hatte, passte sie super. Auch der Kleber hielt was er versprach und nach einer guten Stunde war die neue Dichtung eingesetzt. Das Ergebnis ganz prima.

Projekt 2

Erneuerung der Innendichtung

Das zweite Projekt war die Erneuerung der Innendichtung rund um die Türen im Innenraum. Die alten Dichtungen waren im Laufe der Jahre vollkommen zerbröselt und platt, der Stoff eingerissen und richtig dreckig. Erster Akt war die Entfernung. Dafür mussten so einige Teile im Innenraum ausgebaut werden. Der Vorteil bei so alten Autos ist, fast alle Teile sind verschraubt. Um gerade im hinteren Bereich die Arbeiten vernünftig durchführen zu können, haben wir die Rückbank ausgebaut.


Blinder Passagier

Zu unserer Überraschung fanden wir einen „blinden Passagier“. Allerdings hatte er schon bessere Zeiten gesehen. Vollkommen mumifiziert hatte er wohl schon die letzten Jahre dort verbracht. Die Frage ist nun, ist das eine Maus aus Idaho Falls, dem Wohnort des letzten Besitzers? Wir werden dieses Rätsel wohl nicht mehr lösen können.


Fertig

Die neue flexible Dichtung ließ sich einigermaßen gut einarbeiten, wobei es an der einen oder anderen Stelle verflixt knifflig war. Nachdem alle vier Türen überarbeitet worden waren, sieht es jetzt wieder richtig schön aus. Damit sind die ersten zwei Projekte abgeschlossen.

Projekt 3

Die Innenverkleidung des Kofferraumes, welche gebrochen und schäbig war wurde von Kerstin und mir runderneuert. Dazu besorgten wir uns selbstklebenden Fils. Ich kann Euch sagen, was für ein gefrickel. Also allein geht das gar nicht. Zu zweit mit vier Händen und mega viel Geduld bekommt man es dann schon einigermaßen gut hin.

Innenverkleidung Kofferraum

Auf jeden Fall sieht es stark aus wenn es fertig ist. All der Aufwand und die Mühe haben sich gelohnt

Projekt 4

Fensterdichtungen

In mehreren Arbeitsschritten haben wir jetzt das nächste Projekt abgeschlossen. Die Fensterdichtungen an allen vier Türen. War aber auch bitter nötig, wenn man neu und alt vergleicht. Hier hatte der Zahn der Zeit ganz schön genagt.


Ausbau der alten Fensterdichtungen

Vor dem Austausch mussten natürlich erst einmal alle Sachen an den Türen ab- und ausgebaut werden. Nach diversen Recherchen im Internet und der nötigen Vorsicht, gelang es tatsächlich die Kurbel, die Armlehne, den Hebel zum Öffnen und Schließen der Türe und die Innenverkleidung zu entfernen. Schnell noch ein paar Bilder gemacht, damit beim Zusammenbau keine Fehler passieren. Zuvor hatte ich schon Fett und Hohlraumversiegelung besorgt, denn wenn alles offen liegt, wollte ich die Gelegenheit nutzen, und die Mechanik schön gängig machen und den Türboden versiegeln. Hat auch super funktioniert, da in der Türe genügend Öffnungen sind, wo eine Hand passt.


Einbau der neuen Dichtungen

Die alten Dichtungen entfernen war einfacher, als die neuen Dichtungen einzupassen. Für die Optik hatte ich Leisten mit Chromrand bestellt, störrische kleine Biester mit einem eigenwilligen Eigenleben! Während ich mich ums Lösen der alten Dichtungen und mit dem Reinigen der Innentüre beschäftigte, säuberte Kerstin die Handablage und die Innenabdeckung und setzte einiges instand. Nun ging es darum, die neuen Dichtungen in die Türe zu bekommen. Aber mit Geduld und einigen nicht jugendfreien Flüchen ging es dann doch. Ja etwas Blut ist auch geflossen und wie immer liegen die Tücken im Detail. Tipp des Tages: Erst alles ausprobieren, dann wieder zusammenbauen.

Nach den ersten zwei Jahren mussten wir im Februar zum TÜV. Routineangelegenheit dachte ich. Aber weit gefehlt. Nach der winterlichen Standzeit startete ich den Wagen. Nach zögerlichem Beginn brubbelte der V8 los. Anfahren erwies sich als schwierig, da vorne rechts das Rad blockierte. Naja, dachte ich, nach der Standzeit ist wohl die Bremse festgebacken. Also vor und zurück damit sich das Teil löst. Es löste sich aber nicht. Da der TÜV-Termin feststand und sich die Bremse trotz bestem Zureden nicht lösen wollte, entschied ich mich den ADAC anzurufen und den Dodge in die Werkstatt meines Vertrauens bringen zu lassen. Nicht auf den eigenen vier Räder rollend, die Problematik schildernd, sollte sich die Werkstatt um den Rest kümmern. In den ersten drei Tagen bekam ich die Rückmeldung, dass ein kleineres Problem vorliegt. Man bekommt nicht die Schrauben der Bremstrommeln gelöst. Und da nach fest bekanntlich ab kommt, dauerte es eine Woche bis alle Schrauben eingeweicht und schlussendlich gelöst waren. Im Anschluss begann die Auflistung der Schäden und die Begründung, warum sich das Rad weigerte zu drehen. Die Kurzfassung: Radbremszylinder undicht, Bremsflüssigkeit in die Trommeln gelaufen, Beläge aufgequollen, Beläge hatten sich gelöst und verklemmt. Oha!
Nun hat der Dodge insgesamt sechs Radbremszylinder, welche es zu erneuern galt. Weiterhin die Bremsbacken. Zudem waren die Bremsleitungen porös, der Hauptbremszylinder sollte direkt mit gewechselt werden und wenn man mal alles auseinander genommen hat, macht es Sinn auch die verschlissenen Lager der Vorderachse auszuwechseln. Gesagt getan, so der Plan. Also wurden alle benötigten Teile gesucht und bestellt. Und das kann bekanntlich, sofern die Teile aus den USA kommen, zuweilen dauern. Zwischenzeitlich musste die Werkstatt auch noch schließen, da ein Umzug in neue Räumlichkeiten anstand. Insofern stand der Dodge gut behütet in der alten, wie auch in der neuen Werkstatt. Nach und nach trudelten die bestellten Teile ein, bis auf das Paket mit den Bremsbacken. Wir warteten. Das Paket wäre abgeschickt. Wir warteten. Das Paket hätte Europa erreicht. Wir warteten. Es kam kein Paket! Mittlerweile zeigte der Kalender Anfang Mai an. Es wurde nachgeforscht wie und wo das Paket abgeblieben sei, aber zu guter Letzt musste das Paket als unauffindbar und einfach weg deklariert werden. In der Zwischenzeit hatte die Werkstatt aber jemanden in Süddeutschland ausfindig gemacht, der alte Bremsbacken aufarbeitet. Also wurden meine Bremsbacken eingepackt und verschickt. Nach vierzehn Tagen kamen die kleinen Biester dann frisch und neu aufbereitet zurück. Endlich alle Teile vor Ort und die Restaurierung der Bremsen konnte endlich beginnen. Danach war auch das Thema TÜV endlich durch. Ohne Mängel geht es jetzt in die kommenden Jahre. So soll es sein.
Das meine Nerven schon ziemlich gelitten hatten in dieser Zeit, sei nur am Rande erwähnt.

Projekt 5

Fender skirts. Was macht einen zum Cruisen gedachten Dodge Dart noch attraktiver? Jawoll, fender skirts! Also im Internet recherchiert und tatsächlich jemanden gefunden der welche anbietet. Allerdings zu einem Preis, wo man durchaus der Meinung sein kann, die Dinger bestünden aus 999 Gold. Trotzdem wollte ich das Thema nicht damit beenden. Auf Umwegen kam ich dann an eine Adresse, die auch fender skirts anbieten, jedoch nachgebaut aus Fiberglas, dafür aber nur zu einem Bruchteil des Preises. Habe ich dann auch bestellt. Relativ zügig bekam ich dann auch die Bestätigung, dass meine Teile verschickt worden wären. Soweit so gut. Ihr könnt euch denken, dass wenn alles glatt gegangen wäre, ich hier an dieser Stelle nicht weiter berichten bräuchte. Ein paar Tage später erhielt ich eine E-Mail mit dem Inhalt, dass ich mich nicht wundern sollte über den Inhalt des Paketes, auf jeden Fall wären nicht meine skirts in diesem Paket. Da der gute Mann die Aufkleber an zwei Paketen vertauscht hatte, waren meine skirts nach Alabama unterwegs, während ich die anderen skirts zugeschickt bekommen hatte. Die Sache war aber schnell geklärt, bei Erstattung aller Kosten sollte ich mein Paket nach Alabama schicken und der andere Empfänger sein Paket nach Deutschland. Habe ich dann auch so vollzogen. Anscheinend aber der andere Kunde nicht, denn das für mich bestimmte Paket fand nicht seinen Weg zu mir. Nach weniger erfreulichem Mailverkehr mit dem Verkäufer wurde mir zugesagt, ein Ersatz sei unterwegs. Zwar musste ich noch einmal nach Mönchengladbach zur Zollbehörde um das Paket, welches ja schon einmal versteuert war, zu bekommen, aber dann endlich hatte ich die richtigen skirts in Händen.

Fender skirts

Nach den ganzen Vorbereitungen, Radläufe überarbeiten, skirts lackieren, konnte ich endlich mit dem Zusammenbau beginnen. Die Fiberglas Nachbauten, welche in Mexiko hergestellt wurden, ließen an Passgenauigkeit einiges vermissen. Jedoch am Ende waren die skirts angebracht und sehen verdammt gut aus. So hatte ich mir das vorgestellt.

Im vergangenen Jahr konnten wir den Dodge bei einigen Ausfahrten genießen und nahmen an verschiedenen Veranstaltungen teil. Anfragen bezüglich Fotos und Hochzeiten haben wir gerne angenommen. Hier einige Impressionen.

Erfreulich war die Tatsache, dass der Dodge bei der diesjährigen TüV-Prüfung 2020 sofort ohne Mängel eine neue Plakette bekam.